In den historischen Gassen unserer Partnerstadt treffen traditionelle Wohnkultur und neue Ideen aufeinander. Ein Blick auf kleine Buchhandlungen, offene Kulturräume und die Frage, wie ein altes Viertel lebendig bleibt.
Wer an Peking denkt, hat vielleicht zunächst die Verbotene Stadt oder die großen Verkehrsachsen vor Augen. Einen anderen Zugang zur chinesischen Hauptstadt eröffnen ihre Hutongs: schmale Gassen, die eng mit der Geschichte der traditionellen Hofhäuser und ihrer Nachbarschaften verbunden sind. Hier lässt sich Stadtgeschichte im Kleinen entdecken – an Hauseingängen, in Werkstätten und in den Erinnerungen der Menschen, die dort aufgewachsen sind.
Wie stark diese Orte vom Zusammenleben geprägt sind, beschreibt die in einem Hutong aufgewachsene Ladeninhaberin Wang Jing: Als Kind konnte sie bei Nachbarn essen oder Hausaufgaben machen, wenn zu Hause niemand da war. Ihre Erinnerungen zeigen, weshalb der Wert dieser Viertel weit über ihre Architektur hinausgeht.

Alte Gassen, neue Begegnungen
Dass die Hutongs auch heute kulturelle Anziehungspunkte sind, zeigt eine im Januar 2026 vorgestellte Spazierroute durch den Bezirk Xicheng. Sie verbindet unter anderem die Niujie-Straße, den Fayuan-Tempel, den Lanman Hutong und die Xuannan-Buchhandlung.

Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Im Lanman Hutong stehen historische Versammlungshäuser und traditionelle Wohnhöfe neben Cafés, Teehäusern und unabhängigen Buchhandlungen. Solche Wohnhöfe heißen auf Chinesisch Siheyuan (四合院): Gebäude gruppieren sich um einen Innenhof. Wer genauer hinsieht, entdeckt verzierte Tore und kunstvolle Ziegelarbeiten.
Im benachbarten Nanbanjie Hutong werden ehemalige Hofanlagen als öffentliche Kulturräume genutzt. Kleine Ausstellungen, Leseangebote und Handwerksveranstaltungen schaffen Anlässe, sich mit der Geschichte des Viertels zu beschäftigen. Die Xuannan-Buchhandlung wiederum greift Themen wie Pekings Stadtkultur und historische Architektur auf.
Bücher und Handwerk hinter alten Mauern
Ein weiteres Beispiel ist die Yangmeizhu Xiejie südwestlich des Qianmen-Tors. Die Straße war früher von Buchhandlungen geprägt; heute gehören auch Werkstätten, kleine Museen und Geschäfte für Gestaltung und Kunsthandwerk zu ihrem Bild. Im „Qiankun Space“ werden Geschichten des Viertels aufgegriffen und in gestaltete Alltagsgegenstände übersetzt. So kann ein Souvenir zugleich etwas über seinen Herkunftsort erzählen.
Auch an anderen Orten verbinden sich Lesen und historische Räume. Die Chunfeng-Buchhandlung nahe Nanluoguxiang befindet sich nach Angaben des Stadtportals in einer rund 600 Jahre alten Hofanlage. Ihr Schwerpunkt liegt auf Zeitschriften; zum Programm gehören außerdem Buchvorstellungen und musikalische Veranstaltungen. Ein alter Innenhof erhält auf diese Weise neue Aufgaben im kulturellen Leben der Stadt.
Die Hutongs erneuern, ihren Charme erhalten
Zum Wandel gehören auch Verbesserungen, die auf einem Erinnerungsfoto kaum auffallen. Im Lanman Hutong wurden im Zuge der Erneuerung beispielsweise oberirdische Leitungen unter die Erde verlegt und die Entwässerung verbessert. Solche Maßnahmen sind für den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner ebenso bedeutsam wie restaurierte Fassaden für das Stadtbild.
Gleichzeitig stellt sich bei jeder Aufwertung die Frage, für wen sich ein Viertel verändert. Bleibt Platz für alltägliche Besorgungen, gewachsene Nachbarschaften und Rückzug? Wie vertragen sich Wohnruhe und steigendes Besucherinteresse? Die genannten Beispiele zeigen neue Nutzungen und bauliche Verbesserungen; über die Erfahrungen aller Bewohner sagen sie noch wenig aus. Gerade deshalb lohnt es sich, bei einem Besuch auch zuzuhören.
Ein Blick aus Köln nach Peking
Für uns als Gesellschaft der Chinafreunde und Partnerschaftsverein Köln–Peking bieten die Hutongs einen besonders anschaulichen Zugang zu unserer Partnerstadt. Auch in Köln beschäftigt uns, wie Viertel ihren Charakter bewahren und zugleich Raum für Neues schaffen können.
Wer Peking besucht, sollte sich deshalb Zeit für einen Spaziergang abseits der großen Sehenswürdigkeiten nehmen: in einer Buchhandlung stöbern, bei einer Tasse Tee (oder Kaffee) verweilen und historische Details entdecken. Dabei bleiben die Gassen vor allem eines: das Zuhause anderer Menschen. Rücksicht auf private Höfe und die Bitte um Erlaubnis vor Personenaufnahmen gehören zu einer respektvollen Begegnung dazu.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Pekings Hutongs? Wir freuen uns über persönliche Eindrücke und Geschichten aus unserer Partnerstadt!
Quellen: